21.02.2021 | Corona auch in Ruanda

Verein Partnerschaft  Rheinland-Pfalz / Ruanda e.V.

 

Fuststraße 4

55116 Mainz

Telefon  0 61 31 / 16 - 0

 


 

Liebe Ruanda Engagierte

 

Anbei ein neues Update zur Situation in Ruanda, 10. Februar 2021 

Dieses Mal ist auch ein persönlicher Eindruck unserer Büroleiterin Katja Gruber im Anschluss beigefügt.

Das Ruandische Kabinett hat vergangenen Montag neue Richtlinien erlassen, die für die nächsten zwei Wochen gelten sollen - also bis Montag, den 22. Februar 2021. 

Für Kigali ist die bislang gültige komplette Ausgangssperre aufgehoben worden. Die nächtliche Ausgangssperre von 19 Uhr abends bis 4 Uhr morgens gilt weiterhin. Die Schulen und sonstige Bildungseinrichtungen in Kigali bleiben geschlossen. Büroarbeiten sollen weiterhin in Form von Home Office durchgeführt werden - allerdings dürfen Büros wieder mit 30 % des Personals besetzt werden, wenn es sich um für das Geschäft wesentliche Arbeiten handelt.  Das Koordinationsbüro  somit wieder zu 30% in einem Rotationsverfahren besetzt. Es können jedoch noch keine Feldfahrten durchgeführt werden, da nach wie vor die Bewegungsfreiheit nur innerhalb des jeweiligen Distriktes gilt. Ausnahmen können beantragt werden, gelten aber nur für wesentliche Versorgungsfragen. Dies wird weiterhin zu zeitlichen Verzögerungen bei der Projektabwicklung aber auch bei der Erstellung von Förderanträgen führen. Wir bitten hierfür um Ihr Verständnis und Nachsicht.

Weiterhin gilt:

*                    Der Flughafen für den internationalen Flugverkehr bleibt geöffnet.  Als

Einreisebestimmung gilt nun die Vorlage einer PIN-Nummer, die man über eine Passenger Locator Form online erhält. Siehe hierzu: https://www.rbc.gov.rw/index.php?id=631

*                    Die bisherigen Bestimmungen zur Einreise bleiben ebenfalls bestehen - allerdings haben nach Ruanda einreisende Personen mit einem Aufenthalt von länger als 8 Tagen sich nach Ankunft in eine 7 tägige Selbstquarantäne zu begeben.  

*                    Bitte informieren Sie sich über die Webseite der dt. Botschaft zu den Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen  

*                    Die Binnenlandesgrenzen für touristische Reisen bleiben weiter geschlossen.

*                    Touristische Ziele können angefahren werden - allerdings muss vorab auf eigene Kosten ein Schnelltest in Kigali gemacht werden. Hierfür sind Örtlichkeiten eingerichtet worden. 

*                    Die Hygiene Vorschriften bestehen weiterhin d.h. Maskenpflicht und Abstandsregeln.

Großveranstaltungen sind weiterhin verboten. Desgleichen alle Pubs und Diskotheken wie Kulturveranstaltungen. Gottesdienste und sonstige Veranstaltungen wie Feiern sind verboten.

*                    Der öffentliche Personenverkehr in Kigali ist wieder mit 50% Besetzung möglich - auch Motorradtaxen sind erlaubt.  

 

*                    Geschäfte und Märkte  können öffnen, sind aber ab 17:00 geschlossen. Die nächtliche Ausgangssperre ab 19 Uhr bleibt landesweit bestehen.  Nach 19 Uhr sind die Restaurants und  Bars in Hotels geschlossen, es gibt nur einen sehr eingeschränkten Zimmerservice.

*                    Im Land selber gilt der freie Reiseverkehr nur für Touristen. Die Bevölkerung kann sich nur noch innerhalb des jeweiligen Distriktes frei bewegen. Der Zugang zu Kigali bleibt verwehrt, ebenso kann Kigali nicht verlassen werden. Der öffentliche Überlandtransport für Personen ist eingestellt. Notwendige Güter und Waren dürfen im Land transportiert werden. 

*                    Die Bildungseinrichtungen außerhalb Kigalis bleiben geöffnet. Dies gilt für alle Einrichtungen, die die gültigen Hygienevorschriften einhalten.   

mit besten Grüßen

Die Teams vom Ruanda-Referat und vom Ruanda-Verein unserer Partnerschaft RheinlandPfalz - Ruanda.

 

Michael Nieden

Geschäftsführer

Partnerschaftsverein Rheinland-Pfalz / Ruanda e.V.

 

Persönlicher Eindruck von Frau Gruber zur Situation in Ruanda:

 

Liebe Ruanda Engagierten, liebe Kolleginnen und Kollegen,                      Kigali, 30.Januar 2021

ausgestattet mit einer frischen polizeilichen Bewilligung für einen Arztbesuch fahre ich durch eine im Lockdown befindliche Stadt. Mir fällt auf, dass sehr viele Menschen zu Fuß unterwegs sind.  Nicht erstaunlich, wo doch alle Moto- und Fahrradtaxen, aber auch Busse verboten sind. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass all die Menschen, die nicht über den Luxus eines eigenen Transportmittels verfügen, aber einen systemrelevanten Job -und damit eine Einkommensquelle besitzen, dass diese Menschen nun täglich oftmals 3-4 Stunden für ihren Arbeitsweg investieren müssen. 

Bei dieser Fahrt hoch zur Plateau Clinic, fällt mir auf, dass ganze Heerscharen von Frauen und Männern mit bunten Warnwesten ausgestattet, die Straßenränder bearbeiten. Hier wird gejätet und gesäubert, es werden Löcher ausgebessert und neue Pflastersteine verlegt, gerade so als wolle man Kigali einen Frühjahrsputz verschreiben. Für viele Tagelöhner, die durch Corona mittlerweile in ernsthafte Versorgungsnöte gelangten, sind diese Arbeitseinsätze wichtig und oftmals die einzige Chance überhaupt ein kleines Einkommen zu generieren. Die Preise für Lebensmittel in der Stadt steigen seit März stetig. Die Preise für die Grundnahrungsmittel haben sich deutlich erhöht und geschlossene Grenzen wie schlechte Ernten werden auch weiterhin ihren Tribut fordern. Es ist wie überall auf dieser Welt, solange man über ausreichend Geld verfügt, ist auch in Kigali weiterhin alles erhältlich. Schwierig wird es aber für die Menschen, die von der Hand in den Mund leben.  Die Schere zwischen Arm und Reich klafft auch hier durch Corona immer weiter und immer schneller auseinander.

Die Regierung arbeitet mit einem Notfallplan, verteilt in Kigali mittlerweile Nahrungsgüter an die besonders betroffenen Menschen. Gut organisiert und strukturiert, dies liest man in den Zeitungen und doch weiß man, dass es so viel mehr bedürftige Menschen in der Nachbarschaft gibt, die nichts oder noch nichts erhalten haben. Und man weiß auch, dass dieser Notfallplan Geld kostet, viel Geld. 

Ich erreiche die kleine Klinik "Am Plateau" in der man seit Dezember 2020 unkompliziert einen

Corona Schnelltest machen kann. Ich lag am Wochenende mit Fieber und heftigen Gliederschmerzen im Bett, ich möchte deswegen schnell sicherstellen, dass es kein Corona war, denn Montag können wir unser Büro mit einer kleinen Mannschaft wieder öffnen. Da wäre dann ein positiver Fall, ein kleiner Gau. 

Während ich in dem Corona-Test-Zelt sitze und auf meinen Testaufruf warte, denke ich an die Menschen im ländlichen Ruanda. An die Menschen, die „nur“ einen Lock down light mit abendlicher Ausgangsperre haben. Fahrten über Distriktgrenzen sind allerdings ebenso verboten wie auch Versammlungen. Schulen sind allerdings außerhalb der Stadt weiterhin unter Corona Auflagen geöffnet. Der verzweifelte Versuch, wenigstens den Kindern und den Jugendlichen wieder eine gewisse Normalität zu bieten. Bildung ist einer der wichtigsten Bausteine für die ehrgeizigen Entwicklungsziele Ruandas. Umso tragischer, dass die Schulen von März bis November 2020 geschlossen waren. E-learning ist im ländlichen Ruanda bis dato noch eine unerfüllte Vision. Selbst in Kigali funktioniert home schooling nur bei einem Bruchteil der Schulen wirklich gut. Aber man findet andere Wege, so wurden die Schülerinnen und Schüler inklusive Lehrkräfte über Weihnachten zu einer Sonderschicht verpflichtet, um das verpasste Schuljahr wenigstens teilweise nachzuholen. Es gab einfach keine Weihnachtsferien.  Doch leider mehren sich in den letzten Tagen Nachrichten aus den Distrikten, auch aus unseren Partnerschulen, dass dort immer mehr positive Fälle auftreten. Positive Fälle, sowohl unter Lehrkräften als auch unter der Schülerschaft. Die Einhaltung der Corona Hygienemaßnahmen (Masken, Händewaschen, Abstand einhalten) werden auf den Schulhöfen zwar streng kontrolliert aber spätestens auf dem Heimweg sind die Masken unter dem Kinn, man läuft gemeinsam Arm in Arm nach Hause und freut sich auf ein gemeinsames Fußballspiel, um sich endlich mal wieder richtig auszutoben. Und eine Einsicht ist dabei sicherlich, dass man nicht jeden Winkel des Lebens kontrollieren kann. Ja, man kann leider sagen, Corona ist mittlerweile im gesamten Land angekommen. Die täglichen Corona-Listen sprechen eine deutliche Sprache. Die Regierung versucht weiterhin, die Corona Infektionen unter Kontrolle zu behalten. Doch wie will man die Einhaltung der Selbstquarantäne, die für all die milden Fälle angeordnet wird, in einem Ein-Raum-Haus mit einer siebenköpfigen Familie umsetzen? Wie soll diese Familie getrenntes Essen, getrenntes Geschirr und getrennte Sanitäreinrichtungen nutzen, wenn es die einfach nicht gibt? Wie soll man dieser Familie erklären, dass sie ihre Felder unbearbeitet und dass sie kein Futter für ihre hungrigen Tiere im Stall besorgen darf, eben einfach nur weil sie unter Quarantäne gestellt wurden? Das weiß-rote Flatterband rund um die Häuser als Zeichen von Quarantänefällen, hält jedenfalls niemanden ernsthaft davon ab, dort ein und aus zu gehen. Und sei es auch nur aus nachbarschaftlicher Fürsorge.  

Inwieweit in Ruanda bereits Virusvarianten aus Südafrika, Brasilien oder England im Umlauf sind ist mir bisher nicht bekannt. Interessanterweise unternahm die britische Regierung letzte Woche (bewusst oder unbewusst) einen diplomatischen und vor allem einen wirtschaftlichen Lapsus, indem sie Ruanda in einem Atemzug mit Burundi und den Vereinten Arabischen Emiraten Einreiseverbot auf der Insel erteilte. Ein harter wirtschaftlicher Schlag für die internationale Flugverbindung von Rwandair nach London.

Mittlerweile wurde ich im Corona Testzelt aufgerufen. Ich zahle meine 10 Euro Testgebühr, ich bekomme vorsichtig ein Stäbchen in die Nase und werde dann darüber informiert, dass das Ergebnis in 10 Minuten auf mein Handy kommen würde. Ich kehre zurück auf meinen Stuhl und warte. 

Und denke an das Versprechen der Regierung, dass Ruanda in dem kommenden Monat bereits mit ersten Impfdosen beliefert werden soll. Verwunderlich bei all dem europäischen Durcheinander in der Impfdosenbeschaffung…

Aber gut, wundern würde es mich nicht, wenn Ruanda am Ende schneller durchgeimpft wäre als andere europäischen Länder. Die Disziplin und das Organisationsvermögen dafür hätten sie jedenfalls. Es bleibt uns hier in Ruanda angesichts der steigenden Ausbreitung des Virus einzig zu wünschen, dass die Weltgemeinschaft in diesem Fall eine faire und gerechte weltweite Verteilung vornimmt… Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Mein Handy piept. Eine SMS ist reingekommen. Sie ist von RBC und teilt mir mein negatives

Testergebnis mit. Ein kleiner Stein fällt mir vom Herzen, alles andere hätte unsere Arbeit im Büro erneut durcheinandergebracht. Es ist ein Durchatmen, wohlwissend, dass so ein Test immer nur ein Momentzustand ist und man weiterhin auf Abstand bleiben muss.

Trotzdem, ich bin sehr erleichtert und fahre beschwingt nach Hause. Ich freue mich auf die kommende Woche, wenn ich wenigstens einen kleinen Teil meiner Kolleginnen und Kollegen wieder einmal leibhaftig im Büro sehen werde!   

In diesem Sinne bleibt/bleiben Sie gesund!

Ich sende Ihnen/Euch auch im Namen meiner Kolleginnen und Kollegen herzliche Grüße aus dem Partnerschaftsbüro Rheinland-Pfalz in Kigali

Katja Gruber

 
 
 

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