17.10.2018 | Naemi Breier

Fair Play als Lebensphilosophie

Für Naemi Breier gilt das Einhalten des Fair Play nicht nur auf dem Fußballplatz. Die DFB-Schiedsrichterin engagiert sich seit 15 Jahren für die Fairplay-Tour der Großregion, die sich über das Saarland, Rheinland-Pfalz, Lothringen, Wallonie und das Großherzogtum Luxemburg erstreckt. Erst als Teilnehmerin und mitradelnde Schülerin, später als Mitglied im Organisationsteam und jetzt trägt sie die operative Verantwortung für die einzelnen Etappenabschnitte. Ein Ehrenamt, das ihr neben ihrem intensiven und aufwendigen Schiedsrichter-Hobby eine mindestens ebenso große Herzensangelegenheit ist.

Benefiz-Projekt Fairplay-Tour 

An der Fahrradtour, die gemeinsam vom EuroSportPool, dem Landessportbund Rheinland-Pfalz und der Europäischen Akademie des rheinland-pfälzischen Sports initiiert/ausgerichtet wird, nehmen jedes Jahr rund 300 Schüler/innen und 50 Betreuer/innen teil und sammeln durch das gemeinsame Sporttreiben Spenden für ein vorgeschlagenes Projekt der Welthungerhilfe. Auf dem Tour-Programm stehen täglich ca. 100 zu bewältigende Kilometer, die dieses Jahr acht Tage lang von Bitburg über Echternach durch Belgien, Frankreich und Luxemburg verlief. Jede Etappe endet mit einem feierlichen Empfang durch den hiesigen Bürgermeister. Seit zwei Jahren unterstützt Naemi die Gesamtorganisationsleitung und plant die Streckenabschnitte der jeweiligen Etappen. Dabei geht es ähnlich wie bei der Tour de France zu. Es werden nicht nur Start und Ziel festgelegt, sondern auch notwendige Straßenabsperrungen gemeinsam mit den zuständigen Behörden organisiert. Die Sicherheit steht bei den hintereinander radelnden Schülern an oberster Stelle. So wird der Tross zusätzlich begleitet von einem Ärzteteam, von einem Pannenwagen mit Radmechanikern sowie vom Besenwagen als Schlusslicht, der dann zur Stelle ist, wenn mal jemand schlappmacht und mit seinen Mitschülern nicht mehr mithalten kann. Angeführt wird das Feld vom Führungswagen, bei dem alle organisatorischen Fäden am „Spieltag“ zusammenlaufen. In diesem befindet sich auch Naemi, die wie auf dem Spielfeld auch stets den Überblick behält und sich um den reibungslosen Gesamtablauf kümmert, damit alle wohlbehalten pünktlich im Ziel zum großen Empfang ankommen: Das Highlight am Ende jeder einzelnen Etappe.

Insgesamt wurden durch das Projekt schon über zwei Millionen Euro gesammelt. Diese setzen sich neben den Teilnehmergebühren, auch aus Sponsoringleistungen, diversen Benefiz-Aktionen an Schulen sowie sonstigen Spenden zusammen. „Zum Beispiel hat mal ein Schiedsrichterkollege ein Jahr lang die gesamten Aufwandsentschädigungen seiner Spieleinsätze gesammelt und am Saisonende gespendet“, berichtet Naemi.

Teamgedanke

Doch bei dieser sportlichen Benefiz-Aktion steht nicht nur das Sammeln von Geldern im Vordergrund. Auch der Teamgedanke unter den Teilnehmern wird dabei ganz großgeschrieben und gefördert: „Einer für alle, Alle für einen“, beschreibt Naemi den Umgang miteinander. Dieser soll im spielerischen und grenzüberschreitenden Miteinander praktiziert werden: respektvoll, aggressionsfrei, völkerverbindend und nach freiwilligen Regeln der Fairness. „Hier übt sich jeder Schüler im Tagesablauf in Zeitmanagement, Selbstdisziplin und Eigenverantwortung. Mit Rücksicht auf die Gemeinschaft, die während der Tour stets an erster Stelle steht.“, sagt die 25-jährige Schiedsrichterin. Dabei greift sie auch schon mal selbst zur Pfeife, wenn die Kids den Tag abends mit einem Fußballspiel ausklingen lassen. Hin und wieder referiert sie aber auch über den Fairplay-Gedanken und berichtet dann von ihren Erfahrungen als Schiedsrichterin.

Besuch in Ruanda

Aktuell unterstützt das Projekt den Bau und die Modernisierung einer Grundschule in Ruanda. Eine deutsche Delegation, der auch Naemi angehörte, stattete der Schule in der ostafrikanischen Hauptstadt Kigali im Sommer dieses Jahres einen Besuch ab und überzeugte sich vor Ort vom zweckmäßigen Einsatz der Spendengelder. Das war bereits die zweite Stippvisite in den vergangenen 20 Jahren, seitdem die Fairplay-Tour ins Leben gerufen wurde.

„Das war für mich eine interessante und schöne Reise mit überwältigenden Momenten und unvergesslichen Eindrücken“, sagt sich Naemi. Vor allem war sie erst einmal erleichtert darüber, selbst zu sehen, dass auch alles so umgesetzt wurde, wie es von der Welthungerhilfe versprochen wurde. Doch übertroffen wurde dieses Gefühl von den freudestrahlenden Kinderaugen, die vor Dankbarkeit und Begeisterung über den fremden Besuch die/das eigene Armut/Leid überstrahlten und für einen Moment vergessen machten. „Das waren Emotionen, die dir in Deutschland keiner geben kann. So viel pures Glück und ehrliche Freude erleben zu dürfen, dafür bin ich unendlich dankbar und demütig zugleich.“, sagt Breier.

Insgesamt war die Konzerin über eine Woche in Ruanda und im noch ärmeren Nachbarland Burundi unterwegs. Unterwegs sein: Das bedeutet in Ruanda, wo es keine befestigten Straßen gibt, dass man für 90 Kilometer schon einmal sechs Stunden im Bus sitzen muss. „Manchmal, wenn die Schlaglöcher besonders groß und tief waren, mussten wir zwischendurch auch aussteigen, damit der Bus leichter die Unebenheiten passieren konnte“, erinnert sie sich. Fünf Schulen wurden besucht sowie die Don Bosco Technical School in Kigali. Eine Jungendeinrichtung, in der neben der beruflichen Handwerksausbildung die gemeinsame sportliche Betätigung eine wichtige Rolle spielt. Hier konnte Naemi den Schülern mit 20 mitgebrachten Schiedsrichtertrikots eine große Freude bereiten.

„Die Reise hat mich noch mehr motiviert, weiterzumachen, noch mehr zu helfen und andere Menschen vom Helfen zu überzeugen.“, sagt die Pfälzerin. Die Grobplanung für die nächste Fairplay-Tour 2019 steht bereits. Zurück aus der bewegten Sommerpause konzentriert sie sich nun wieder voll und ganz auf ihre Schiedsrichterkarriere und die Spielleitungen in der 2. Frauen-Bundesliga. Aber auch ihr Lehramtsstudium für Geografie und Sport an der TU Kaiserslautern will die angehende Gymnasiallehrerin bestmöglich abschließen, um bald in der Bildung tätig zu werden. Denn in Sachen Fairplay gibt es in vielen Lebensbereichen bekanntlich noch Luft nach oben.

 
 
 

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