18.07.2019 | FAIR PLAY TOUR - TOUR MIT HERZ

Jetzt ist auch die 21. Fair Play Tour Geschichte.

Sie startete mit einer von Thiemo Metzrodt  zusammengestellten abwechslungsreichen Eröffnungsfeier im Forum in Polch. Am ersten Tag sollte bereits die schwerste Etappe zu absolvieren sein. Doch das Schreckgespenst Erbeskopf entpuppte sich in den nächsten Etappen durch das Saarland als reines Kuscheltier. Neben den giftigen Anstiegen machte vor allem die Hitze den Radfahrern zu schaffen. Doch in diesen Situationen erfahren die Kinder und Jugendlichen, was ihnen im normalen Alltag verborgen bleibt: Mit Durchhaltevermögen kann man alles schaffen. „Was ich will, das schaffe ich auch“ – ist keine leere Floskel. Die Teilnehmer, die sich gewissenhaft auf dieses Radtour vorbereitet hatten, waren klar im Vorteil. Diese Tour ist nun mal kein Sonntagsspaziergang oder eine Kaffeefahrt, sondern ein ambitioniertes sportliches Projekt. Jedem ist bei der Anmeldung klar, dass er 100 KM am Tag in einem 20er Schnitt absolvieren können muss. Dies ist die Zielvorgabe. Und es ist dann ein Beweis des eigenen Fair Play, wenn ich die Vorbereitung so gestalte, dass ich diese Vorgabe erfüllen kann. Sollten körperliche Defizite diese Leistung nicht ermöglichen, kann man durch den Einsatz von Tandems Unterstützung anbieten. Natürlich können auch hier und da bei gut Trainierten Schwächephasen auftreten. In diesen Fällen greift dann das Fair Play der anderen Radler, die dann selbstverständlich durch Schieben helfend eingreifen. Sehr viel konnten die Kinder und Jugendlichen in diesem Jahr in Bezug auf Leistungsbereitschaft lernen.

Beim zweiten Ziel, dem vernünftigen Verhalten, auf dem Rad, in den Pausen, bei Empfängen, beim Essen und zu Zeiten der Nachtruhe, gab es ganz viele Gelegenheiten, sein Fairplay-Verhalten zu testen. Wir sind auf der Tour häufig mit einem Werbespruch konfrontiert worden: Fairplay ist einfach. Und wir konnten ganz oft feststellen, dass dem nicht so ist. Einfaches Fairplay ist natürlich der Wunsch aller Menschen. Aber Fairplay ist ein ständiges, mitunter schwieriges und zähes Ringen mit sich selbst und anderen, vernünftig miteinander umzugehen. Das fällt Erwachsenen oft schwer, und wenn man als junger Mensch nicht gelernt hat, in Konfliktsituationen besonnen zu reagieren, hält das Leben manch unliebsame Überraschung bereit. Damit die Kinder und Jugendlichen aus den vielen komprimierten Eindrücken in dieser Woche ihre Lehren ziehen können, gibt es jeden Abend vor der Nachtruhe in der Turnhalle in einer „Besprechung“ eine Rückbesinnung auf den Tag und ein Ausblick auf den kommenden Tag.

Das dritte Ziel der Fair Play Tour ist die Solidarität. Durch die Tour sollen die Kinder sensibilisiert werden, auch an die Menschen zu denken, denen es nicht so gut geht wie uns hier in Europa. Während des ganzen Kalenderjahres sollen an den „Tourschulen“ sogenannte Lebensläufe durchgeführt werden, damit in Burundi mit der Welthungerhilfe ein Schulbauprojekt realisiert werden kann. Abschließend kann man noch kein Ergebnis vermelden, da nach den Sommerferien noch Spendenläufe anstehen. Als positives Ergebnis steht mit über 30000 € die Summe fest, die die Tourteilnehmer mit ihrer „Tourspende“ für das Schulbauprojekt in Ruanda zusammengetragen haben.

Während wir also bei den ersten drei Zielen der Tour ein positives Fazit ziehen können, tun wir uns noch schwer mit der Tour einen Beitrag zum Zusammenwachsen Europas und speziell im Bereich der Großregion, dem Herzen Europas, zu leisten. Die Kinder und Jugendlichen erfahren zwar in diesen neun Tagen ein grenzenloses Europa, und die Etappenorte in den ausländischen Regionen der Großregion lassen nicht zu wünschen übrig. Aber es fehlen die jungen Menschen aus diesen Regionen, die sich an diesem grenzüberschreitenden Projekt beteiligen. Dieses Manko ist auch in den Empfängen in Saarbrücken, Spicheren, Engreux, Esch sur Alzette und St. Vith deutlich angesprochen worden. Überall war man willens, verstärkt Teilnehmer aus der DG Belgiens, der Wallonie, Luxemburg und Grand Est für die Fair Play Tour zu motivieren. Man will die eine Frau oder den einen Mann mit Herz für Fairplay und Europa gewinnen. Das Beispiel Saarland macht dabei Mut: Viele Jahre hatten wir kaum Teilnehmer aus dieser Region. Doch mit dem Gewinn von Verena, Stefan und vor allem Myriam boomt die Fair Play Tour im Saarland, weil diese Menschen brennen: Nur wer selbst brennt, kann andere entzünden.

Die Fair Play Tour wird überall in höchsten Tönen gelobt, außer bei den Autofahrern, die manchmal von uns ausgebremst werden, wofür wir uns auch entschuldigen möchten. Wir sind bestrebt, die Behinderung des Verkehrs auf ein Mindestmaß zu beschränken. Dass dieses Riesenunternehmen einen solch großen Eindruck hinterlässt, liegt vor allem an der Leistung der Menschen im Tourtross. Da klappt alles wie am Schnürchen. Da greift eins ins andere. Hier sind Menschen mit Herz am Werk, die sich für das Gelingen der Tour eine Woche Urlaub genommen haben. Und oft reicht eine Woche nicht aus. Zwei Tage vor der Tour und zwei Tage danach sind die Leute aus dem engsten Versorgungstross mit Vor- und Nachbereitung mehr als acht Stunden beschäftigt. Mit ihrem Beispiel ernten sie Anerkennung und Respekt bei den jungen Menschen und dienen gleichzeitig als Vorbild für diese, sich auch später einmal ehrenamtlich zu betätigen.

Menschen mit Herz sind auch die vielen Sponsoren der Fair Play Tour. Das weiß ich sicher aus vielen Gesprächen und noch mehr aus ihrem unkompliziertem Tun. Sie machen es weniger aus Marketinggründen als aus dem Bewusstsein:

Die Fair Play Tour bildet das Herz

 
 
 

Andere Besucher haben sich danach folgende Artikel angesehen: