30.06.2013: 2. Etappe: Reims - Verdun

Dieser Morgen war endlich mal ein ruhiger Morgen. Es ging erst um 8:45h los.

Wir fuhren zunächst zur Kathedrale, um ein Foto zu machen. Danach starteten wir in Richtung Verdun. Die Strecke führte uns über unendlich lange Landstraßen, durch Felder und durch die schönsten Laubwälder, in denen mich besonders der mannshohe Farn beeindruckte.

Nach und nach  wurden die  Barrieren gebrochen und in der akkuraten Zweierreihe, in der der Radtross sich gewöhnlich fortbewegt,  lernten wir uns schnell näher kennen. Sehr bald nahmen wir die wundervolle Natur nur noch nebenbei war. Die Mittagspause war auf einer Wiese bei Kilometer 66. Es gab Thunfischsalat, Apfelkompott und einen kleinen Kuchen.

Der weitere Weg war für viele ziemlich anstrengend, denn das Gelände wurde hügelig und häufiger mussten steile Anstiege überwunden werden. Auf die Minute pünktlich kamen wir nach etwa 145 km in Verdun an. Wir nahmen im Hotel de Ville im Saal des Stadtrates auf wunderbar weichen Stühlen Platz.

Verdun ist nicht nur durch den barbarischen Stellungskrieg im Ersten Weltkrieg in die Geschichte eingegangen, sondern kann auf eine lange Stadtgeschichte zurückblicken, wie uns ein Mitglied des Stadtrates erklärte. Die ersten Siedlungen an der Meuse seien etwa 1000 v.Chr. gebaut worden. Durch die besondere Lage an der Meuse und die Nord-Süd und Ost-West Handelswege blühte Verdun zu einer Handelsmetropole auf. Unter Ludwig XIV. wurde Verdun von Vauban zu einer Festungsstadt ausgebaut. Im Ersten Weltkrieg kamen dann die Deutschen, die mit mehreren Millionen Raketen die Stadt zu 90% zerstörten. Innerhalb der 30 Hauptkampfwochen sollen allein von deutscher Seite 1.350.000 Tonnen Granaten verfeuert worden sein. Auch heute noch liegen 50 Tonnen Stahlsplitter auf jedem Hektar des Schlachtfeldes. Von diesen grauenvollen Kämpfen zeugen die zahlreichen  Soldatenfriedhöfe in der Umgebung der Stadt, die mit  tausenden Kreuzen an das Geschehen erinnern. Die menschlichen Verluste lassen sich nur grob schätzen: Die Forschung geht von etwa 800 000 getöteten Soldaten aus. Bis heute gibt die mit Blut getränkte Erde immer wieder die Überreste von Leichen frei. Sie werden, falls möglich, identifiziert und die Familien werden benachrichtigt.

Der Vortrag war wunderbar und es wurde alles sehr bildhaft beschrieben, an dieser Stelle einen Dank an Fernand, der für uns dolmetschte. Dass einige von uns beinahe einschliefen, war den Anstrengungen des Tages und dem Komfort der weichen Sessel geschuldet, nicht der Qualität des Vortrags.

Die Nacht verbrachten wir in einem kleinen Hotel vor den Toren der Stadt.

Armin Gottke

 
 
 

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