28.06.2013 - Anreise: Traben-Trarbach - Paris

Etwa 40 Radfahrer aus Frankreich, dem Saarland und Rheinland-Pfalz starteten am Freitag, dem 28.06. nach Paris, um an einer Radtour mit völkerverbindendem Charakter teilzunehmen. Zur Feier des 50. Jahrestages des Elyssée-Vertrages war durch das Ministerium des Inneren des Saarlandes eine Etappenfahrt organisiert worden, welche die Hauptstädte Frankreichs und Deutschlands in 14 Etappen mit jeweils über 100 km Streckenlänge verbinden sollte.

Das Gymnasium Traben-Trarbach stellte ein Team mit sieben Fahrern aus den Klassenstufen 8, 10 und 12, von denen aber  nach der Hälfte der Strecke zwei aus terminlichen Gründen und einer krankheitsbedingt aussteigen mussten.

Wir starteten am frühen Morgen mit 22 weiteren Rheinland-Pfälzern in Trier. Mit VIP-Bussen und Sprintern, die von Peugeot gesponsert wurden, ging es in sechs  Stunden bis in die Hauptstadt Frankreichs. Nach einer Stärkung in der Unterkunft, einer zentrumsnahen Jugendherberge mit dem architektonischen Charme eines Hochsicherheitstraktes, fuhren wir Moselaner in die Stadt. Es war schon spät, aber Paris wollte sich keiner entgehen lassen! Mit der Metro fuhren wir bis zur Oper, um von dort aus bis zum Eiffelturm zu gehen. Vor dem Justizministerium fielen uns Leute auf, die in regelmäßigen Abständen, gerade nach vorne auf das Ministerium schauend, völlig bewegungslos auf dem Platz standen. Nach dem Sinn der Aktion zu fragen, schien uns die perfekte Möglichkeit, zum ersten Mal  Französisch zu sprechen. Leider kamen nur wenige bei dieser schnellen Sprache mit, aber letztendlich konnte jeder etwas zur Übersetzung beitragen. Es handelte sich um eine Mahnwache als Protest gegen den Missstand, dass in Frankreich zahlreiche Inhaftierte einsitzen, ohne dass ihnen ein Prozess gemacht worden wäre.

Als Nächstes wurden wir auf einen Rummelplatz im Park vor dem Louvre aufmerksam, auf dem ein buntes Treiben herrschte. Die Fahrgeschäfte überboten sich mit Extravaganz und schienen uns so beängstigend spektakulär, dass nur Madeleine Klammer sich zutraute, selber einzusteigen. Angesichts der horrenden Eintrittspreise und der wankenden Gestalten, die mit grün-gelben Gesichtern aus den Geschäften stiegen, verzichtete auch sie schließlich darauf, eigene Erfahrungen zu sammeln. Durch den Park vor dem Louvre kamen wir dann zum Obelisken auf dem Place de la Concorde. Unser nächstes Ziel war die Seine, deren Uferverlauf wir bis zum Eiffelturm folgten. Nach einer kurzen Fotosession beschlossen wir, trotz des Regens und der anstrengenden Etappe, die früh am nächsten Morgen auf uns wartete, den Turm zu erklimmen. Um uns und den Parisern zu zeigen, dass wir echte Sportler sind, rannten wir die Stufen zur ersten Ebene hinauf und erreichten die zweite Ebene (125 m) in weniger als 10 Minuten. Das ist zwar noch kein Weltrekord, aber immerhin waren wir die schnellsten Deutschen für dieses Wochenende und immer noch eine halbe Stunde schneller als der Durchschnittstourist, der am Aufzug Schlange steht. Auf dem Dach der Stadt bei Nacht: Welch eine herrliche Aussicht, welch ein erhebendes Gefühl! Bis zum Horizont waren tausend Lichter und alle Sehenswürdigkeiten in einer Turmrunde zu sehen. Beim Abstieg veranstalteten wir erneut - zum Missfallen anderer Touristen - ein Wettrennen.

Ermüdet, aber überglücklich begaben wir uns schließlich über den Panoramaweg zur Metrostation am Trocadéro und wieder zurück in die Jugendherberge. Müde und gespannt auf den Empfang an der  Deutschen Botschaft, mit dem der nächste Tag beginnen sollte, gingen wir tief in der Nacht schlafen.

Armin Gottke